
das Amati-Streichquartett
14/03/09 Amati-Streichquartett
Warum denn auf ein Klassikkonzert gehen, wenn man sich die Musik auch zu Hause per CD anhören kann? Die Antwort auf diese Frage gab das Amati-Streichquartett am 14. März in der Oberrheinhalle Offenburg. Im Rahmen der Oberrhein-Konzertreihe boten die vier Musiker an diesem Samstagabend ein abwechslungsreiches Programm. Leider fiel Sebastian Hamann an der Violine krankheitsbedingt aus, doch wurde er von seinem Vorgänger Willi Zimmermann gebührend ersetzt. Ein bisschen enttäuscht war ich, dass – wohl auch aufgrund des Krankheitsfalls – von Haydn das vierte Streichquartett op. 76
gespielt wurde anstelle des angekündigten fünften, welches die Vorlage für unsere Nationalhymne darstellt.
Nach dem fröhlichen und schnell eingängigen Werk des Wiener Komponisten widmeten sich die Musiker einem östlicheren und moderneren Tonkünstler: Dimitrij Schostakowitsch aus der Sowjetunion, der zur Zeit Stalins lebte. Das vorgetragene Streichquartett Nr. 3 in F-Dur op. 73 stand in vollem Gegensatz zu dem vorherigen Stück, war aber aufgrund der enthaltenen Charakteränderungen meiner Meinung nach höchst interessant. Oft erklangen dissonante, laute, fast brutal wirkende Episoden, die sich dann aber doch wieder in einem sanften, fast schon tänzerischen Solo der ersten Violine auflösten. Für Ohren, die eher zur Wiener Klassik tendieren, war dieses Stück aufgrund der Disharmonien jedoch „gewöhnungsbedürftig“, wie mein Sitznachbar es beschrieb.
Nach der Pause widmeten sich die vier Streicher Felix Mendelssohn Bartholdy und seinem Streichquartett in a-Moll op. 13. Die melancholischen, fast schmerzvollen Passagen, die jedoch immer wieder von fröhlichen Melodien abgelöst wurden, kamen beim Publikum sehr gut an. Nach langem Applaus waren die Musiker bereit, uns noch mit einer Zugabe zu verwöhnen. Sie spielten die Einleitung des Lodi-Quartetts, welches Wolfgang Amadeus Mozart als Vierzehnjähriger komponiert hatte, was mich als großen Mozart-Fan sehr erfreute.
Die vier Musiker hatten es an diesem Abend geschafft, nicht nur ein Konzert auf musikalisch hohem Niveau vorzutragen, sondern auch ihre Freude an dieser Musik auszudrücken. Nicht selten flog während der Stücke ein Lächeln von einem Musiker zum anderen; man sah ihnen an, dass sie gerne zusammen musizierten. Zudem nutzten sie ihre Körperspannung und ihre Mimik, um dem Charakter der Musik vollkommen gerecht zu werden, so dass die Musiker ganz in der Musik aufzugehen schienen und sich ein harmonisches Bild ergab. Dies könnte man mit einer einzelnen CD zu Hause nie erreichen. Das einzig Störende war der laute Motor der Lüftungsanlage in der Halle, der jedoch - so der Verantwortliche – schnellstmöglichst repariert werden wird, so dass das nächste Klassikkonzert (hoffentlich) ohne störende Nebengeräusche ablaufen wird.
Kommentar
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11/12/09 23:41
- Sebastian
Sehr schöne Kritik
Vielen Dank für diese tolle Art, ein Konzert zu beschreiben. Ich finde, dass die meisten Kritikerkollegen von Ihnen lernen könnten. Es ist wunderbar, wie sie klarstellen, dass es sich um Ihren subjektiven Eindruck handelt. Es ist auch schön zu lesen, dass das Konzert beim Publikum sehr gut ankam. Das ist nämlich auch sehr wichtig. Oft sind Konzerte ein wunderbarer Publikumserfolg, aber die Kritiker stören sich an diesem und jenem.
Dennoch ist zu jedem Zeitpunkt klar, dass Sie ein Musikkenner sind. Ich wünsche Ihnen alles Gute und danke,
Mit freundlichem Gruss.